Japanische Schwerter

Japanische Schwerter

Wert:

Historische japanische Schwerter sind besondere Antiquitäten. Der Umgang mit ihnen erfordert bestimmte Kenntnisse und das kann man sicherlich auch über den Erwerb sagen. Nicht wenige Interessenten kaufen voreilig historische Schwerter, deren Wert gering ist. Solche Stücke sind zwar oft alt, aber ihr Zustand und ihre Herkunft lohnen keine Investition. Ein beschädigtes oder angerostetes Schwert verliert erheblich an Wert, es kann nur in Japan repariert werden, das ist teuer und umständlich. Eine neue Politur kann Jahre in Anspruch nehmen, die Wartelisten der guten Polierer sind lang und eine solche Restaurierung lohnt sich nur für wirklich gute Stücke. Natürlich kann jedermann sich kaufen, was ihm gefällt. Soll ein Stück aber werthaltig sein, darf man bestimmte Kriterien nicht aus den Augen verlieren.
Ein Alleinstellungsmerkmal von historischen japanischen Schwertern im Unterschied zu anderen Antiquitäten sind die verfügbaren Gutachterpapiere, die sie als Anlageobjekte interessant machen. Unter ihnen sind vor allem die der japanischen NBTHK allgemein anerkannt, die ihre Papiere in verschiedenen Qualitätsstufen ausstellt, mehr dazu weiter unten. Bereits im mittelalterlichen Japan haben Fürsten Schwerter als Werte betrachtet, die Arbeiten berühmter Schmiede bezeichneten ihren Status. Das Schwert war der kostbarste persönliche Besitz des japanischen Adels und das höchste Geschenk. Ein gutes Schwert konnte damals (und kann auch heute) sein Gewicht in Gold wert sein.

Die Qualität der Klinge:

Paradoxerweise hängt das Können der japanischen Schwertschmiede und die einmalige Schönheit ihrer Werke damit zusammen, dass die Stahlherstellung in Japan im Unterschied zu Europa lange auf primitivem Niveau geblieben ist. Der Stahl wurde (das gibt es noch heute in Japan) in Renn-Öfen („Tatara“) hergestellt. Roherz, meistens Eisensand aus Flussbetten wird über glühender Holzkohle geschmolzen und nimmt dabei Kohlenstoff auf. Die erschmolzene Luppe hat Einschlüsse und Unreinheiten, nur ein Teil davon ist kohlenstoffhaltiger Rohstahl, „Tamahagane“, der gehärtet werden kann und für die Herstellung von Schwertern tauglich ist. Der Schwertschmied sortiert das Rohmaterial sorgfältig entsprechend seinen Bedürfnissen, er stellt sein persönliches „Oroshigane“ her. Das sortierte Rohmaterial wird mit Hammer und Amboss im Feuer zu einem Block verschweißt und mehrmals gefaltet, um schädliche Unreinheiten mechanisch auszusondern und den Kohlenstoffgehalt gleichmäßig zu verteilen. Am Ende können die einzelnen Schichten in einem Schwert so dünn sein wie ein menschliches Haar und ermöglichen so die chemische Diffusion und Verteilung von Kohlenstoff innerhalb des Materials. Diese Phase der Herstellung ist für die Ästhetik und Qualität der Klinge wichtig. Sie gelingt nur perfekt bei gutem Ausgangsmaterial und bei sorgfältiger Bearbeitung. Anschließend wird das Schwert ausgeformt und gehärtet. Schließlich wird es poliert, das heißt, es wird in einer langwierigen Prozedur mit immer feineren Schleifsteinen geschliffen, wobei seine endgültige Form und seine Linien entstehen und es werden dabei diejenigen Strukturen an der Klinge sichtbar, die den künstlerischen Wert eines japanischen Schwerts ausmachen.
Es ist schwer zu glauben, dass bei der Schwertherstellung in das Werkstück so viel Individualität gelangen kann, dass einem Kenner auch ohne Signatur die Zuschreibung an einen meisterlichen Schmied gelingt. Tatsächlich drückt sich aber der Stil des Schmieds oder seiner Gruppe deutlich aus, wenn er herausragend war, das heißt wenn er gutes Material hatte und wenn er die einzelnen Arbeitsschritte und die komplizierte Wärmebehandlung im Stil seiner Zeit und seiner Schule perfekt ausführen konnte. Die Individualität und „Lebendigkeit“ echter japanischer Schwerter aus der frühen Zeit rührt aber nicht zuletzt daher, dass das primitive Eisen-Stahlgemisch trotz der erfolgten Reinigung viele seiner Eigenschaften behält und unter dem Hammer individuell reagiert. Die gefeierte, einmalige Qualität des „Jihada“, des Stahlmusters sehr alter Schwerter hängt vor allem mit den frühen Stadien des Schmiedevorgangs zusammen und mit dem Umstand, dass damals, das heißt in der Heian bis frühen Kamakura-Zeit (im 12./13. Jahrhundert) die Nachfrage noch nicht so groß war wie sie es später wurde und das beste Material für Schwerter des kaiserlichen Adels eingesetzt werden konnte. Ab Mitte der Kamakura Zeit stieg nicht nur der Bedarf, die nun regierenden Samurai wollten eine ästhetische Steigerung der Klingen, die mit den vorhandenen Mitteln nur in Form von Kompromissen zu realisieren war. Das bedeutet, dass nach Ansicht vieler Liebhaber die frühen Klingen eine besondere Schönheit entfalten, die später in dieser Weise nicht mehr auftritt. Noch heute gibt es in Japan viele Schmiede, die Schwerter nach traditioneller Methode herstellen. Ihre Stücke sind hochgeschätzt, dennoch ist es noch niemandem gelungen, die Schönheit der alten Meisterwerke zu kopieren.

Gutachten:

Die am meisten geschätzte Gutachtergesellschaft, die japanische NBTHK, stellt Papiere in vier Qualitätsstufen aus: Hozon (erhaltenswert) Tokubetsu Hozon (besonders erhaltenswert), Juyo (herausragend) und Tokubetso Juyo (besonders herausragend). Über den Marktwert einer Klinge entscheidet, nüchtern ausgedrückt, wer sie gemacht hat und welches Papier sie erhalten hat. Der persönliche Wert bleibt davon unberührt, er lässt sich mit reinen Marktaspekten nicht erfassen.
Nicht alle Schwerter erhalten Papiere, fehlerhafte oder ganz unbedeutende Klingen bekommen kein Hozon-Papier. Hat man Werthaltigkeit im Auge, sollte man kein Schwert erwerben, das nicht mindestens dieses Papier besitzt. Es zertifiziert, dass beispielsweise die Signatur, wenn eine vorliegt, echt ist, und dass es sich tatsächlich um ein historisches Schwert handelt. Außerdem erhält die Klinge eine Zuschreibung an die Schule, aus der es stammt. Für das nächsthöhere Papier, Tokubetsu Hozon, sind die Anforderungen deutlich höher. Der Schmied sollte überdurchschnittlich gut sein und der Zustand der Klinge gut und unverändert. Zum nächsthöheren Gutachten, dem Juyo-Papier ist der Sprung noch größer. Hierhin gelangen nur vergleichsweise wenige Schwerter, entsprechend hoch ist die Wertschätzung. Juyo Papiere sind reserviert für Meisterwerke. Noch mehr gilt dies für das höchste Gutachten, Tokubetso Juyo. Diese Ausnahmeklingen haben den Rang japanischer Nationalschätze.
All das spiegelt sich natürlich im Marktwert. Für japanische Händler ist es einfacher, höhergradige Papiere zu erlangen, weil sie ihre Stücke immer wieder einreichen können. Für Sammler außerhalb Japans ist dieses Vorgehen schwieriger und aufwändiger, so findet beispielsweise eine Juyo Sitzung nur einmal im Jahr statt, anschließend wird das Schwert noch längere Zeit im Museum der NBTHK ausgestellt. Viele Sammler begnügen sich daher mit einem Tokubetsu Juyo-Gutachten für eine Klinge, die vielleicht das Potenzial für mehr hätte. Natürlich drückt sich das im Verkaufswert aus. Hätte dieselbe Klinge ein Juyo Papier erlangt, würde er sich verdoppeln oder gar verdreifachen.

Jemandem, der sich für ein japanisches Schwert interessiert, kann man nur empfehlen, sich umfassend in der Literatur zu informieren und sich vor einem Kauf erst einmal einige gute Klingen anzusehen, um sich Kenntnisse anzueignen und einen persönlichen Geschmack zu entwickeln.

Bilder:
Feuerschweißen mit Hammer und Amboß – „Jihada“ (Stahlmuster) und „Hamon“ (Härtelinie) im „Soshu-Stil“, Schmied: Tametsugu, 14. Jahrhundert – „Boshi“ (Härtelinie an der Spitze), Schmied: Tomoshige 14. Jahrhundert